Türkei 2016 – THC und Olympos

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THC – Turkish Highline Carneval

Jedes Jahr im Februar steigt in der Türkei, genauer gesagt in Geyikbayırı in der Nähe von Antalya der Turkish Highline Carneval, ein immer wieder besonderes Ereignis für Highliner aus aller Welt. Wie in den letzten Jahren, waren wir auch diesmal wieder angereist, um dem kalten Tiroler Winter zu entfliehen und stattdessen bei angenehmen Temperaturen um die 20°C die Highlines zu begehen, beim abendlichen Lagerfeuer und den Partys Freunde aus vielen verschiedenen Ländern wieder zu treffen und die türkische Gastfreundschaft sowie die lokalen Köstlichkeiten in faszinierender und wenig berührter Natur zu genießen.

Nach einer angenehmen Anreise mit viel Gebäck im Gepäck wurden in den etwas ruhigeren Camps Climbers‘ Garden und Kezban’s Guesthouse die Zelte bzw. Hängematten auf- und direkt danach auch schon der Weg zu den Highlines eingeschlagen. Für die schon einmal Dagewesenen war es eine Freude des Wiedererkennens und der tollen Erinnerungen an die vorherigen Besuche, für die Neulinge ein Gefühl des Staunens über die dortige Schönheit der Natur sowie der entspannten Atmosphäre und der schönen und vielen Lines.

Von nun an gestaltete sich der Tagesablauf folgendermaßen: Nach einem ausgedehnten Frühstück mit frischem Essen vom lokalen Bauernmarkt entschieden wir, bei welchem Sektor wir heute starten wollen.

Dementsprechend ging es dann entweder zu den etwas kürzeren Lines im ‚Canyon‘ (4 Lines bis 32m), zum ‚Riverside‘ (5 Lines bis 60m), zum schönen und hohen ‚Anatolia‘ mit den Längen 30m, 45m, 80m und 110m, zum neuen Sektor mit vier Lines von 60 bis 105m oder zu den in der ganzen Gegend verteilten einzelnen Lines, die generell eher kürzer (bis zu 50m) waren. Insgesamt waren alle Lines auf ihre Art und Weise schön, manche slack, manche tight gespannt und sehr vielfältig von den Setups und Spots her, wodurch jeder „seine“ Line finden konnte.

Wurde einmal nicht gehighlined oder am Spot gechilled, wurden einige der wunderschönen dortigen Sportkletterrouten durchstiegen, in einem der Camps entspannt, gegessen oder wieder beschlossen zu den Highlines zu gehen.

War es dann am Abend zu dunkel, zu kalt oder man selbst einfach zu fertig, wurde ein großes Abendessen gekocht und danach am Lagerfeuer oder an den Sitzmöglichkeiten neben einem warmen Ofen zusammengesessen, Geschichten vom Tag oder von wann anders erzählt, musiziert oder einfach nur die Atmosphäre genossen.

Zu Beginn und am letzten Tag des Festivals gab es auch noch zwei Partys, die mit guter Musik, Feuershow und zahlreichen Highlinern und Kletterern für ausgelassene Stimmung sorgten, von den ausgefallenen Kostümen des Carnevals ganz zu schweigen.

Dann war nach einer Woche das Festival auch schon wieder vorüber und nach einem gemütlichen Tag am Markt mit Gözleme, Baslama und Çay war der erste Teil des Türkeitrips zu Ende und von Geyikbayırı ging es mit einigen sportlichen Erfolgen, wundervollen Erlebnissen und Ereignissen im Gepäck, sowie mit dem Gewissen und Wissen alte Freunde wiedergetroffen und neue Freunde aus verschiedensten Ländern kennengelernt zu haben, in Richtung Olympos auf.

Olympos

Nach mehreren chaotischen aber lustigen Busfahrten kamen wir, eine Gruppe von Highlinern aus Österreich, Deutschland, Serbien, Tschechien und Russland, schließlich in Olympos an der türkischen Mittelmeerküste an. Statt den Bergen und des frühlingshaften Wetters in Geyikbayırı begrüßte uns ein 3km langer Strand bei sommerlich heißen Temperaturen. Durch das weite Meer, den ruhigen Strand, dem direkt dahinter gelegenen dichten Wald, der mit seinen verwachsenen Ruinen aus Römerzeiten an einen Dschungel in Mittelamerika erinnerte, und den wunderbaren Kletterrouten in Kombination mit dem Kontrast vom kälteren und höher gelegenen Geyikbayırı sowie dem stimmungsvollen Treiben am THC, dachten wir, wir seien im Paradies gelandet.

Dies bestätigte sich immer mehr, da wir in Kadir’s TreeHouse, einem netten Hippie-Hostel mit bester Verpflegung, freundlichen Leuten und gut gelegenem Standort zu einem angemessenen Preis eine ideale ‚Homebase‘ fanden.  Von dort aus starteten wir zum Strand zum Chillen, zum Erkunden der Ruinen im Dschungel oder zu den steilen und überhängenden Felswänden zum Sportklettern, um dann abends hungrig wieder zurückzukehren, wo dann bereits ein äußert gut schmeckendes und reichhaltiges Buffet (danke Siam!) und ein Lagerfeuer mit ein paar wenigen anderen Leuten auf uns wartete.

Einer der Klettersektoren, gefiel uns besonders gut. ‚Cennet‘, türkisch für Himmel, eine 50m hohe, komplett senkrechte, glatte Wand mit Routen der mittleren bis schwereren Schwierigkeitsgrade, direkt Richtung Meer gerichtet und nur ca. 30m davon entfernt. Schon beim Ankommen fiel uns die Möglichkeit zum Highlinen auf, nur war noch nichts gebohrt und geeignete Bäume gab es auch keine. So waren wir die ersten Tage zwischen Kletterfels und Strand unterwegs, während wir uns bei den dort wohnenden Kletterern umhörten, wo wir denn einen Bohrer sowie Bolts und Laschen auftreiben konnten. Mit der Hilfe von Güneş und Metin konnten wir schließlich alles Benötigte auftreiben und so machten wir uns daran, die unseren Wissens nach erste Highline in Olympos einzubohren. Für den einen Ankerpunkt benutzten wir die leicht erreichbare Spitze eines Felsturmes, schräg versetzt zur Wand. Für den zweiten Anker seilten wir uns von der Wand auf die Höhe des anderen Ankers ab und setzten auch dort unsere Bolts. Nachdem die Ankerpunkte fertig waren, hieß es, die Verbindung zu legen, was durch die kurze Entfernung zueinander leicht gelang. Der anschließende Aufbau der Highline war schließlich auch schnell erledigt – eine schöne, meerexponierte Line mit 45m Länge hing im Cennet.

Die erste Begehung der als ‚High in Heaven‘ benannten Line gelang unserem Freund Till aus München mit einem entspannten Fullman onsight, womit der Spaß auf der Line auch für alle anderen beginnen konnte. Unser Teammitglied Simon zeigte in der laufenden Woche neben seinem Send einige spektakuläre Bounce-, Surf- und Exposuretricks und packte sein Jesuskostüm vom THC aus um einen himmlischen Exposure zum Meer hin zu vollbringen. Auch unser Rookie Marija hatte ihren Spaß und zeigte einige elegante Kunststücke und wurde vom Gefühl auf der Highline gepackt. So wurde die folgende Tage der Klettergurt ununterbrochen gebraucht, entweder mit der Leash auf der Highline oder mit dem Seil an der Wand.

Nach einer Woche wunderschönen Wetters an diesem wunderschönen Ort, an dem wir eine wunderschöne Zeit verbrachten, bauten wir die Line wieder ab und reisten bei Vollmond aus diesem begeisternden Land ab mit dem Gedanken, auf jeden Fall wieder hier herzukommen.

Danke an unsere Münchner Freunde Till, Sevi und Frank sowie Tomaś, unseren türkischen Freunden Güneş und Metin, welche uns beim Bohren der Highline geholfen haben, uns ihr Bohrequipment geliehen haben und uns die Bolts und Laschen geschenkt haben. Außerdem an Siam, welcher uns jeden Tag ein besonders gutes Frühstück und ein noch besseres Abendessen zubereitet hat, sowie alle freundlichen Türken und Türkinnen, die uns beim Autostoppen mitgenommen haben und uns so freundlich begrüßt haben in ihrem Land.
Bis zum nächsten Mal, Türkei!

 

Bericht von Simon

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